Mana darbība – meine Arbeit

Jetzt wird es doch langsam mal Zeit, dass ich ein bisschen über meine Arbeit berichte. Ich arbeite hauptsächlich im Zentrum Solis Augšup, ein multifunktionales Zentrum für Kinder mit Autismus. Dort werden verschiedene Therapien angeboten sowie Sozialisierungsgruppen und Freizeitaktivitäten. Außerdem gehören monatliche Ausflüge für Kinder & Jugendliche mit und ohne Behinderung zu meinem Arbeitsalltag. Diese werden von Jauniešu pastorālā māja organisiert, eine Gruppe von jungen Leuten Anfang 20, die sich ehrenamtlich für Kinder mit besonderen Bedürfnissen engagiert.

In Solis Augšup werden zum Beispiel Ergo-, Physio- oder ABA-Therapie angeboten. Bei der ABA-Therapie (Applied Behavior Analysis oder angewandte Verhaltensanalyse) handelt es sich um eine Form der Psychotherapie, die hauptsächlich bei Kindern mit Autismus eingesetzt wird. Interessanterweise war und ist die ABA-Therapie sehr umstritten. Das liegt unter anderem am behavioristisch geprägten Ansatz. Bei der ABA-Therapie geht es darum, sozial erwünschtes und förderliches Verhalten aufzubauen und unerwünschtes, nicht förderliches Verhalten abzubauen. Dabei wird mit dem operanten Konditionieren, also dem Belohnungssystem, gearbeitet. Das bedeutet, wenn ein Kind erwünschtes Verhalten gezeigt hat, erhält es eine Belohnung, meist handelt es sich um Essen, Spielzeug oder Lob. So mancher ist der Meinung, dass durch die Therapieform den Kindern ihre Autonomie abgesprochen wird, dass es nur darum geht, das Kind gesellschaftsfähig zu machen und die Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden. Doch nicht nur der behavioristisch geprägte Ansatz ist der Grund für den umstrittenen Ruf der Therapieform. Als sie in den 1960er-Jahren entwickelt wurde, hat man als Bestrafung zum Beispiel mit Elektroschocks gearbeitet. Diese Methode wird heute jedoch natürlich nicht mehr angewendet. Ich war schon sehr erstaunt, als ich beim recherchieren auf die Umstrittenheit und viele Kritik an der Art der Therapie gestoßen bin, die eine sehr große Rolle in dem Zentrum spielt, in dem ich für das nächste Jahr mitarbeiten werde. Allerdings konnte ich (als Laie) bisher nichts an der Arbeit meiner dortigen Kollegen bemängeln. Es wird sehr wertschätzend mit den Kindern umgegangen und viel Wert auf eine möglichst gute Förderung gelegt. Auch auf die Bedürfnisse der Kinder wird geachtet. Nicht ohne Grund hab ich sehr schnell den Satz „Ko tu gribi?“ (Was möchtest du?) gelernt. 🙂

Bisher war die Teilnahme an den Sozialisierungsgruppen meine hauptsächliche Arbeit. Hier wird ebenfalls nach den Grundsätzen der ABA-Therapie gearbeitet. Die ABA-Therapeutin bestimmt therapeutische Ziele für die Kinder und erstellt dann einen Plan mit passende Spielen, Tätigkeiten und Aufgaben, um die Kinder optimal in ihrem Sozial- und Kommunikationsverhalten zu fördern. Die Gruppen bestehen aus 4-6 Kindern, zu Beginn begrüßen sie sich gegenseitig und erzählen kurz, wie es ihnen geht und was sie heute gemacht haben. Das ist bereits die erste Sache, die manchen Kindern sehr schwer fällt. Deshalb kriegen sie visuelle Unterstützung in Form von verschiedenen Gefühlen, die auf einer laminierten Seite mit Wörtern und Gesichtsausdrücken dargestellt sind. Wenn sie erfolgreich an Spielen und Aktivitäten teilgenommen haben, gibt es als Belohnung einen Smiley. Ebenfalls immer Teil der Sozialisierungsgruppe ist das Kochen. Es werden Kekse oder Muffins gebacken, Sandwiches oder Pizza gemacht. Hierbei spielt immer der soziale Umgang eine Rolle. Wie äußere ich mein Bedürfnis, wie komme ich an eine Sache, die ich für mein Sandwich oder zum Kekse backen brauche? Zum Beispiel mussten die Kinder beim Sandwiches machen ihre Zutaten an einem imaginären Verkaufsstand besorgen und mit Papiergeld bezahlen. Beim Kekse backen wiederum bekam ein Kind alle Ausstechformen, ein anderes Kind das Nudelholz. Nun sollten die Kinder sich gegenseitig nach den benötigten Dingen fragen. Teilweise wird als visuelle Unterstützung sogar im Vorhinein von den Kollegen ein Video gedreht und die Situation nachgespielt, um den Kindern eine Idee zu geben, wie sie vorgehen können. Die Belohnung ist dann je nachdem der Muffin, das Keks oder das Sandwich.

Auch wenn die Arbeit in den Sozialisierungsgruppen wirklich interessant ist, tu ich mir doch sehr oft schwer, mich wirklich einzubringen und wäre gerne mehr involviert. Vor ca. einer Woche hat die letzte Einheit von Gruppen geendet und in einer Woche geht es dann mit neuen Gruppen weiter. Für die Zwischenzeit war geplant, dass ich kleineren Gruppen von Kindern verschiedene Aktivitäten anbiete, zum Beispiel Musik machen oder Basteln. Da uns nun ein Lockdown bis zum 15. November dazwischen gegrätscht kam, werden die neuen Socialisation Groups wohl online stattfinden. Ich treffe mich also kommende Woche aufgrund der Kontaktbeschränkungen immer mit einzelnen Kindern zum Musik machen, Basteln und Backen. Teilweise soll ich den Rest der Gruppe online mitnehmen. Beim Backen kann ich mir das ja noch vorstellen, aber beim Musik machen weiß ich nicht wie das funktionieren soll. Meine Chefin hat außerdem Kids zum Musik machen mit eingeplant, die ich noch gar nicht getroffen habe – macht die Vorbereitung natürlich nicht leichter. Nach meiner passiven Rolle als Teil der Socialisation Groups darf ich mich nun also endlich mehr einbringen, bin aber auch ziemlich auf mich alleine gestellt. Die ersten Versuche Musik zu machen und zu Basteln am Freitag waren jedoch ganz erfolgreich. Mal sehen wie es die nächsten Tage läuft! Am Samstag habe ich außerdem zum ersten Mal in einer Suppenküche für Bedürftige ausgeholfen, und bin auch weiterhin noch auf der Suche nach weiteren kleinen Projekten.

kulinārija
free time activity: selbst gemachte Knete

eksperiments

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