Pirmās dienas – erste Tage

Ich sitze am Schreibtisch, das Fenster vor mir steht offen. Wenn ich über den Rand meines Laptops hinausschaue, sehe ich den Regen auf das Fensterbrett sowie die Häuser und Bäume von Zemgale prasseln. Zemgales priekšpilsēta ist eine der drei Vorstädte Rigas, und hier befindet sich auch das Kloster St. Joseph, wo ich für die nächsten 12 Monate leben werde. Aus einem Haus eine Straße weiter klingt Musik herüber, die mich an Ratatouille erinnert – nur, dass statt Französisch Lettisch gesungen wird.

Meine Anreise am Freitag verlief reibungslos, allerdings beschloss die Lufthansa, meinen zweiten Koffer noch eine Nacht in Frankfurt zu behalten und ihn am nächsten Tag dafür direkt vor meine Haustür zu liefern. Glücklicherweise wurde der Koffer mit meinen Wintersachen einbehalten, und ich hatte meinen Waschbeutel und frische Klamotten für Samstag. In mein Handgepäck hatte ich nämlich einfach irgendwas reingepackt, nicht die Dinge, die ich dringend brauche… Ja, Mama, aber dir ist ja auch erst am Flughafen nach der Gepäckabgabe eingefallen, dass das sinnvoll gewesen wäre ❤ . Meine Zahnpasta hatte ich aus unerfindlichen Gründen im anderen Koffer, die musste ich mir also von meiner Mitbewohnerin Prisca holen, genauso wie einen Stift zum Verfassen meines ersten Tagebucheintrages.

Nachdem ich am Rigaer Flughafen geklärt hatte, wo mein zweiter Koffer abgeblieben ist, wurde ich von Father Jānis empfangen und durfte in seiner Kommunität mit zwei weiteren Jesuiten zu Mittag essen. Ich habe mich dort sofort wohl gefühlt. Genau wie die Jesuiten, die ich bisher kennen lernen durfte, waren es sehr nette und entspannte Menschen. Ivar brachte mich dann ins Kloster St. Joseph, wo mich Schwester Nellija empfing und mir mein Zimmer und das Haus zeigte. Auch wenn es sich um ein Kloster handelt, sieht es nicht wirklich so aus und fühlt sich auch nicht so an – zumindest nicht so, wie ich mir ein Kloster vorgestellt hätte. Im dritten Stock ist unsere WG, hier leben noch andere Studentinnen und eine weitere Freiwillige. Die Schwestern leben auch in einer WG zusammen und es gibt eine Kapelle im Haus, wo die Messen stattfinden. Die Jungs – zwei deutsche Freiwillige – wohnen gegenüber im Exerzitienhaus. Dort gibt es auch einen sehr schönen Garten, in dem wir uns ebenfalls aufhalten dürfen.

Morgenspaziergang zum Supermarkt

Der gestrige Tag war ja eigentlich mein erster, allerdings hatte ich kaum Zeit, anzukommen. Ich begleitete eine Gruppe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu einem Tagesausflug nach Tērvete. Organisiert wurde das Ganze von Solis Augšup, eine Struktureinheit der NGO Nepaliec Viens (Meine Arbeit vor Ort). In Tērvete gibt es einen Naturpark mit Zoo, Hochseilgarten, Aussichtsturm und Märchendorf. Die Leute waren alle sehr nett und ich konnte mich mit den Jugendlichen sogar auf Englisch unterhalten, worüber ich sehr froh war. Die jüngeren Kinder sprechen natürlich noch nicht so gut Englisch, aber ein „Ka tevi sauc?“ – „Wie heißt du?“ hat auch schon gereicht, um nach anfänglicher Skepsis ein Lächeln hervorzuzaubern 🙂 . Hier lernt man in der Schule auch Deutsch, aber verständlicherweise wird sich lieber auf Englisch unterhalten. Ist ja auch weniger kompliziert!

Eins weiß ich jetzt auf jeden Fall: beim nächsten Mal, wenn ich in ein fremdes Land komme mit fremder Sprache und so vielen neuen Menschen, werde ich mir mehr Zeit nehmen, um anzukommen. Der Ausflug war schön, keine Frage! Aber bereits mittags hat die Müdigkeit mich übermannt und ich musste mich leider ein bisschen durch den Tag quälen, der mit Kopfschmerzen und totaler Erschöpfung endete. Umso schöner war es heute, auszuschlafen und Zeit zu haben, um meine letzten Sachen in die Schränke und Regale zu räumen. Wir Volunteers waren bei den Schwestern zum Mittagessen eingeladen und mit einer meiner Mitbewohnerinnen konnte ich auch ein bisschen quatschen. Fühle mich heute auf jeden Fall mehr angekommen! Morgen werde ich erfahren, wie mein Arbeitsalltag hier in Riga aussehen wird.

10 Gedanken zu “Pirmās dienas – erste Tage

  1. Liebe Annika,

    als deine „Patin“ und ehemalige JV wünsche ich dir vor allem, daß du dich menschlich wohlfühlst und dich , vielleicht sogar in deiner Muttersprache, intensiv austauschen kannst über deine Eindrücke und Erlebnisse. Wie mir scheint, sind die Voraussetzungen dort gegeben in der Freiwilligen-WG, da ihr nicht nur die Unterkunft, sondern auch den Arbeitsplatz teilt. Vor Heimweh und Einsamkeitsgefühlen bist du dann geschützt und wirst unendlich bereichert in deinem Freiwilligen
    Jahr in Lettland. Alles Gute,liebe Annika. Bin schon gespannt auf deinen nächsten Bericht!

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